Die Wirtschaftsgeschichte Helfenbergs ist aufs engste mit der Weberei verbunden. Der karge Boden, das raue, niederschlagsreiche Klima und verhältnismäßig lange Winter zwangen die Bewohner seit frühesten Zeiten, einen Nebenverdienst zu suchen. Der Flachsbau bot die Grundlage für die Leinenarbeiten (Verarbeitung des Flachses bis zum feingesponnenen Haar) und die damit verbundenen Nebenarbeiten (Bleicher, Mangler, Radlmacher, Blattbinder und Zeugstricker, Stärkemacher, Drucker und Färber). In den Pfarrbüchern und geschichtlichen Abhandlungen über Helfenberg lesen wir, dass es hier schon vor dem Jahre 1600 eine Färberei und eine Mangel gab und selbstverständlich auch Leinenweber. Im Jahre 1827 waren im Distriktskommissariat Helfenberg (Pfarrer Helfenberg, St. Johann, St. Stephan) 187 Weber und 500 Spinner und Spinnerinnen in Flachs und Hanf und 15 Leinwandbleicher. Der Flachs selbst stand in hohem Ansehen und nahm unter den Opfergaben in der Waldkapelle eine bedeutende Stelle ein. So wurde in der Zeit 1747-1781, als ein Einsiedler die Kapelle betreute, jährlich rund 38 Pfund Haar und eine beträchtliche Menge Linsat (Leinsamen) geopfert. Es ist gar nicht so lange her, dass der Kooperator von Helfenberg als Zubuße zu seinen Einkünften alljährlich in der Pfarre eine Haarsammlung veranstaltete. Das war ein verbrieftes Recht. In jedem Bauernhaus wurde bis in die neueste Zeit Flachs angebaut und verarbeitet. Einen Aufschwung nahm die Leinenindustrie, als im Jahre 1843 die Gebrüder Simonetta aus Mailand im Ort Helfenberg eine große Leinenfabrik errichteten; sie versuchten, die Rückständigkeit in technischer wie auch in kaufmännischer Hinsicht zu vermindern, was ihnen auch gelang. Nach alten Aufschreibungen fanden hier 500 Arbeiter Beschäftigung. Andere Berichte schreiben sogar, dass zur Zeit der Blüte der Fabrik (1845-1860) hier 1200 Leute beschäftigt waren und außerhalb von Helfenberg in den Faktoreien (Ausgabestellen von Garn an die Hausweber) in Aigen, Deutsch, Traberg und Friedberg) ca. 2000 Weber als Heimarbeiter Verdienst fanden. Interessant ist der Grund, warum sich im Bereich der Großen und der Steinernen Mühl größere Unternehmer (Vonwiller, Simonetta) zur Gründung einer Fabrik veranlasst sahen.
Rüdiger Vonwiller schreibt (Festschrift der Bürgergarde von Haslach, Seite 35):
„Die Hauptursache für die Entwicklung der Leinenweberei dürfte aber in einem großen Geschenk zu suchen sein, welches die Natur dem Mühlviertel zugedacht hat, nämlich das überaus weiche, kalkarme Wasser, welches mit den drei Armen der Kleinen Mühl, der Großen Mühl und der Steinernen Mühl das malerische obere Mühlviertel umschlingt. Dieses aus dem granitenen Urgestein entspringende Wasser begünstigt in besonderer Weise die Vorbehandlung des Garnes und die Nachbehandlung der Gewerbe in Bleicherei und Färberei.“
Der weiteren Entwicklung stand die schlechte Verkehrslage im Wege. Daher kam auch das Bestreben, den Bau einer Bahn zu erreichen. Das Aktionskomitee zum Bau der Mühlkreisbahn gab im Jahre 1882 eine Broschüre heraus („Das Mühlkreisbahn Projekt“), in der die Notwendigkeit des Bahnbaues für die Leinenindustrie in eindringlicher Weise erörtert und dargestellt wurde. Während andere Landesteile sich schon der billigeren, schnelleren und bequemeren Bahnfracht bedienen konnten, war man hier noch ausschließlich auf das Pferdefuhrwerk angewiesen.
Da heißt es in der oben genannten Broschüre:
„Man kann einen Wagen mit zwei Pferden durchschnittlich nur mit 12-16 Meterzentner noch an manchen Stellen kostspielige Vorspann nehmen, um die steilen Berge zu überwinden. Für den Frachtenverkehr der Industrie ergeben doch die Auslagen selbstverständlich doppelt, einmal für das über Linz bezogene Rohmaterial (Garne, Bleich- und Gärbstoffe), dann die in der Richtung über Linz wieder weiter beförderte fertige Ware.
Die Leinenindustrie, welche seit Jahrhunderten gerade im oberen Mühlvietel in ausgedehnter, schwunghafter Weise betrieben wurde, kämpft heutzutage mit Mühe um ihre Existenz, da bei dem Mangel jeder Schienenverbindung mit dem Haupthandelsplatz Linz die Produktionsverhältnisse sich sehr ungünstig gestalten und die Konkurrenz mit anderen Provinzen des Reiches von Jahr zu Jahr schwieriger machen. Wenn nicht so schnell als nur möglich durch die Herstellung einer Eisenbahnverbindung in der bezeichneten Richtung
(Linz – Leonfelden – Helfenberg – Haslach – Rohrbach – Aigen) der bedrängten Leinen-Industrie des oberen Mühlviertels unter die Arme gegriffen wird, so ist, wenn nicht der völlige Ruin, so doch ein sehr namhafter Rückgang der Produktion mit Sicherheit zu gewärtigen und verlieren Hunderte von fleißigen Arbeitern ihr Brot."
Welchen Aufschwung aber hätte Helfenberg genommen, wenn die in Aussicht genommene Trasse der Mühlkreisbahn gebaut worden wäre. In einer Zusammenstellung über die Güter, die aus dem Gebiet dieser Trassenführung nach Linz befördert werden, lesen wir, dass im Jahr 1879 aus der Helfenberger Fabrik rund 2840 t Güter ab und zu befördert wurden. Außer der Weberei hätte natürlich das gesamte Wirtschaftsleben eine ungeahnte Belebung erfahren, da auch die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft, die Steinindustrie usw. durch rascheren und billigeren Anschluss an die Landeshauptstadt gewonnen hätte. Mit großer Zielstrebigkeit versuchte man diesem Mangel durch den zeitgemäßen Ausbau des Straßennetzes zu begegnen.